Dassendorf selbstbewusst vor Pokalspiel gegen MSV Duisburg

„Wir haben für unsere Liga eine sehr hohe Qualität."

Autor: Andreas Breitenberger Veröffentlicht: Sonntag, 19.08.18 | 07:40

Marcel von Walsleben-Schied (vorne) ist schon seine ganze Karriere über als Kämpfer und Wühler bekannt. ©Imago/DeFodi502

Für den MSV Duisburg steht am Samstag im Pokal der Auftritt bei „Hamburg-Meister“ TuS Dassendorf an. Der kleine Verein gewann mit bescheidenen Mitteln in den letzten vier Jahren jedes Mal die Oberliga Hamburg – ein Aufstieg kommt aber momentan überhaupt nicht in Frage.

Warum das so ist, wie Dassendorf Duisburg schlagen kann und wie besonders das Publikum der TuS ist, das erzählt uns im Interview mit Liga-Zwei.de einer, der mit Duisburg ganz besondere Erinnerungen verbindet: Ex-Profi Marcel von Walsleben-Schied, der für Dassendorf auf Torejagd geht.

Herr von Walsleben-Schied, am Samstag geht es mit Dassendorf im Pokal gegen MSV Duisburg. An Duisburg dürften Sie eigentlich gerne zurückdenken, oder?
Marcel von Walsleben-Schied: „Das eine oder andere gute Spiel habe ich schon gegen Duisburg gemacht. Ich kann mich an zwei Tore damals noch für den VfL Osnabrück gegen den MSV erinnern. Ich weiß also, wie’s gegen Duisburg geht (lacht).“

Außerdem wurden Sie 1999 in Duisburg bei einem Lehrgang entdeckt. Wie lief das genau ab?
Von Walsleben-Schied: „Ja, stimmt. Das war bei einem Turnier der Landesauswahlen, wo ich in der Mannschaft Sachsen-Anhalts spielte. Irgendwie habe ich es geschafft, mich in den Vordergrund zu spielen und wurde dann auch zu den Lehrgängen der Nationalmannschaft eingeladen. So ging es dann immer weiter. Eigentlich verbinde ich mit Duisburg also sehr viel.“

„ Der Trainer hat Duisburg beobachtet. ”
über die Herangehensweise der TuS

Als quasi MSV-Spezialist: Was geben Sie Ihren Teamkollegen in Dassendorf vor der kommenden Partie mit auf den Weg?
Von Walsleben-Schied: „Wir brauchen nicht groß drumherum reden. Das ist ein Zweitligist mit einer sehr guten Mannschaft. Allerdings ist Duisburg nicht so gut in die Saison gestartet. Für ein Team, das zwei Spiele verloren hat und dann zu einem Oberligisten muss, ist das alles andere als einfach.

Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Jeder erwartet einen deutlichen Sieg, ab und zu kann so eine Aufgabe aber auch mal daneben gehen. Mich würde es diesmal freuen, wenn es daneben geht.“

Auf was bereiten Sie sich mit Dassendorf gegen Duisburg vor?
Von Walsleben-Schied: „Wir wissen, dass Duisburg eine zweikampfstarke und spielerisch starke Mannschaft hat. Manche Einzelspieler, können jederzeit den Unterschied ausmachen. Darauf müssen wir uns einstellen.“

Wie will Dassendorf das schaffen und dem MSV damit Paroli bieten?
Von Walsleben-Schied: „Wir werden sicherlich nicht so spielen können, wie in der Liga, wo wir teils 60 oder 70 Prozent Ballbesitz haben. Das wird ein anderes Spiel für uns. Der Trainer hat Duisburg beobachtet. Wir werden sicherlich noch auf die Schwachstellen eingehen und den ein oder anderen Spielzug einüben.“

„ Man sieht das Funkeln in den Augen. ”
über die Dassendorfer Fans

Der Verein ist enorm erfolgreich, in den letzten vier Jahren wurde er Meister in der Oberliga Hamburg, will allerdings nicht in die Regionalliga. Wie kommt das?
Von Walsleben-Schied: „In der Tat ist der Verein sehr erfolgreich und eigentlich fragt sich jeder, warum die TuS Dassendorf nicht aufsteigen will. Das ist aber im Endeffekt logisch. Da muss man nur mal zu uns nach Dassendorf kommen.

Die Strukturen sind einfach noch nicht so gewachsen, um für höhere Aufgaben in Frage zu kommen. Man müsste sehr viel in die Infrastruktur investieren. Diese Sachen werden peu à peu vorangetrieben, was aber seine Zeit dauert. Der Verein wird daran noch arbeiten, und vielleicht wird es doch noch irgendwann was mit der Regionalliga.“

Gespielt wird am Samstag nicht auf dem eigenen Platz, sondern im Stadion Sander Tannen in Hamburg Bergedorf. Was erwartet die Duisburger dort?
Von Walsleben-Schied: „Wir haben in der Liga pro Heimspiel ungefähr 150 Zuschauer im Schnitt. Das ist jetzt nicht sonderlich viel, aber die, die kommen, sind immer mit vollem Herzen dabei. Man kann fast jeden per Hand begrüßen und sieht dabei bei dem einen oder anderen das Funkeln in den Augen. Das macht den Charme in Dassendorf aus.

Natürlich werden jetzt gegen Duisburg mehr Fans kommen. Auch im Landespokalfinale hatten wir schon 4.000 Zuschauer, da herrschte auch eine gute Stimmung. Die Duisburger sind natürlich mehr gewohnt, aber uns treibt das nach vorne.“

„ Müssen die ein, zwei Chancen nutzen, die wir bekommen. ”
über das Erfolgsrezept gegen Duisburg

Sie persönlich gehen als Führungsspieler voran. Wie bewerten Sie als Ex-Profi die Qualität, die Ihre Teamkollegen auf den Platz bringen?
Von Walsleben-Schied: „Wir haben für unsere Liga eine sehr hohe Qualität. Viele bei uns haben schon Regionalliga gespielt, Mattia Maggio hat ein paar Bundesligaspiele für den HSV gemacht. Außerdem sind wir sehr erfahren, fast alle sind über 27 Jahre alt. Jeder hat also schon einige Pokal-Situationen durchgemacht, deswegen denke ich, dass auch jeder weiß, was gegen Duisburg auf ihn zukommt.“

Mit Ihnen als Pokal-Spezialist: In 38 Spielen in DFB- oder Landespokal haben sie respektable 26 Tore erzielt. Was nehmen Sie sich gegen Duisburg vor?
Von Walsleben-Schied: „Ich sehe das immer sehr nüchtern. Gerade in den ersten Runden kann man viele Tore machen. Im Pokal habe ich aber schon viel erlebt. Mit Jena 2008 ins Halbfinale gegen Dortmund zu kommen und vor 80.000 Fans aufzulaufen, war sehr prägend. So was gibt einen Extra-Schub.

Gegen Duisburg haben wir jetzt eine Mammutaufgabe, aber ich hoffe, ich kann meinen Teil dazu beitragen, dass wir diese bewältigen. Dazu müssen wir die ein, zwei Chancen nutzen, die wir bekommen und so lange wie möglich die Null halten. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der Favorit dann irgendwann nervös wird. Das ist unsere Chance.“

Herr von Walsleben-Schied, vielen Dank für das Gespräch!

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