MSV Duisburg: Zwischenbilanz der Neuzugänge 2018

Gyau mit "unfassbarer Dynamik und Power"

Joseph Claude Gyau am Ball für den MSV Duisburg

Fehlt derzeit verletzungsbedingt auf dem Platz: Joseph-Claude Gyau. ©Imago/DeFodi

Neun Neuzugänge präsentierten die Zebras im Sommer. Den schwachen Saisonstart konnte jedoch keiner von ihnen verhindern. Auch nicht Joseph-Claude Gyau. Aus der dritten Liga gekommen hatte er bisher sechs Einsätze, fällt allerdings momentan aus.

Wir haben mit seinem ehemaligen Trainer Sascha Hildmann, der den US-Amerikaner in der vergangenen Saison bei der SG Sonnenhof Großaspach betreute, über Stärken und Schwächen Gyaus gesprochen. Anschließend bewerten wir die restlichen acht Neuzugänge.

Herr Hildmann, bei seiner Vorstellung in Duisburg gab Joseph-Claude Gyau an, seit er in Deutschland ist, pünktlicher geworden zu sein. Wie oft mussten Sie in Großaspach auf ihn warten?
Sascha Hildmann: „Ich glaube, ich musste nie auf ihn warten. Vielleicht ist er mal zu spät gekommen, wenn die Mannschaft untereinander was gemacht hat. Zu offiziellen Terminen war er aber immer pünktlich.“

An welche besonderen Eigenheiten Ihres früheren Spielers können Sie sich noch erinnern?
Hildmann: „Jo ist der schnellste Spieler, den ich jemals trainiert habe. Außerdem ist er mit einer unfassbaren Dynamik und Power ausgestattet. Für mich ist er ein absoluter Modellathlet. Außerdem hat Jo hat einen feinen Charakter, verbreitet viel Freude und weiß Tipps zu schätzen.“

Der schnellste Spieler, den ich jemals trainiert habe. (über Stärken Gyaus)

Sie sind bekannt dafür, ein möglichst breites Bild vom Fußball haben zu wollen. Was können Sie zur fußballerischen Ausbildung in den USA sagen?
Hildmann: „Gerade in den USA wird viel Wert auf Athletik und körperliche Stabilität gelegt. Bei Jo kommt noch dazu, dass er aus einer sehr sportlichen Familie kommt. Sein Vater Phillip war ebenfalls Profi-Fußballer. Dafür wird in Amerika weniger Wert auf die technische oder taktische Ausbildung gelegt. Das hat man schon gemerkt. Diese Dinge plus das Passspiel und die Passgenauigkeit musste man mit ihm noch trainieren.“

In der Zeit vor Großaspach schwankte Joe zwischen Regionalliga und Bundesliga. Warum dauerte es so lange, bis er Konstanz entwickelte?
Hildmann: „Jo hat damals ja sogar ein Bundesligaspiel für Borussia Dortmund gemacht, ist für Aubameyang eingewechselt worden (in der Saison 2014/2015, Anm. d. Red.). Das heißt schon was. Danach kam eine Knieverletzung, die ihn lange außer Gefecht gesetzt hat. Großaspach hat ihm danach eine Chance gegeben, als ihn keiner mehr auf dem Zettel hatte. Er hat das Vertrauen mit Leistung zurückgegeben.“

Er musste sich reinkämpfen, hat das aber geschafft (über seinen Weg in Duisburg)

Mit fünf Toren und vier Vorlagen war er wichtiger Teil des Erfolges. Wann war Ihnen klar, dass er wahrscheinlich nicht in Großaspach bleiben wird?
Hildmann: „Das war mir vom ersten Training an klar. Ich habe einen Spieler gesehen, der brutal schnell war und einen guten Abschluss, kurz gesagt eine enorme Qualität hatte. Mir war klar, dass man noch etwas feilen muss, aber auch, dass er seinen Weg macht.“

In Duisburg hatte Gyau auch gleich seine Einsätze. Wie haben Sie seine Situation dort verfolgt?
Hildmann: „Er musste sich zunächst reinkämpfen, hat das aber geschafft. Dass er eine Umstellungszeit von der dritten auf die zweite Liga braucht, war klar. Aber ich traue ihm zu, dort nach seiner Verletzung Fuß zu fassen.“

Jo muss auf jeden Fall die Defensivarbeit verbessern. (über sein Potential)

Gibt es etwas, wo er sich noch verbessern kann, um langfristig in der zweiten Liga Fuß zu fassen?
Hildmann: „Ich sage immer: Nach hinten geht es den Berg hoch, nach vorne runter. Viele laufen immer fleißig nach vorne, aber auch Jo muss auf jeden Fall die Defensivarbeit verbessern. Ich finde, er sollte seine Schnelligkeit noch besser in Szene setzen. Also nicht so oft entgegenkommen, sondern immer wieder in die Räume starten. Ob er das wirklich braucht, weiß ich nicht, aber: Sein Kopfballspiel ist gelinde gesagt mangelhaft, da könnte er noch ansetzen.“

Sie persönlich sind seit relativ kurzer Zeit nicht mehr Trainer des Drittligisten Großaspach. Wie sieht Ihr Tagesablauf momentan aus?
Hildmann: „Ich schaue mir viele Spiele an, bin auf vielen Plätzen unterwegs. Ob das die U19-Bundesliga, Youth League, U23 oder Drittliga-Spiele sind. Zuletzt war ich in Wiesbaden und Aalen im Stadion. Ich bin also überall unterwegs und versuche mich weiterzubilden. Dazu schaue ich mir auch Trainingseinheiten an, sodass ich einfach bereit bin, bald wieder einzusteigen.“

Herr Hildmann, vielen Dank für das Gespräch!

Unsere Bewertung der Neuzugänge des MSV Duisburg:

Daniel Mesenhöler blieb in den letzten beiden seiner neun Einsätze ohne Gegentreffer.

Hat sich mittlerweile als klare Nummer Eins etabliert: Daniel Mesenhöler. ©Imago/Eibner

Guter Griff:

Daniel Mesenhöler – Als neue Nummer Eins von Union Berlin verpflichtet, musste er sich zu Saisonbeginn trotzdem hinter Daniel Davari anstellen. Ab dem fünften Spieltag rückte der 23-Jährige zwischen die Pfosten und half mit seinen guten Leistungen zuletzt, die Zebras zu stabilisieren. In neun Spielen kassierte er bisher 13 Gegentore.

Ausbaufähig:

Sebastian Neumann – Nach seinem Wechsel aus Würzburg etablierte sich der Innenverteidiger sofort als Stammspieler, konnte den Fehlstart aber auch nicht verhindern. Fiel erst der Umstellung von Dreier- auf Viererkette zum Opfer und seit dem Sieg in Köln mit einer Hüftverletzung aus.

Joseph-Claude Gyau – Es ist noch nicht die Saison des pfeilschnellen Angreifers. Nach einer Akklimatisierungsphase und Einwechslungen traf er bei seinem Startelf-Debüt gegen Regensburg und schien auf dem Weg zum Stammspieler. Dann bremste ihn eine Entzündung der Fußsohle aus und er verpasste die letzten vier Ligaspiele.

Richard Sukuta-Pasu – Der ehemalige deutsche U21-Nationalspieler wechselte von Ligakonkurrent Sandhausen zum MSV, erzielte in acht Einsätzen aber erst einen Treffer. Zuletzt zeigte seine Formkurve nach oben, er stand an den beiden letzten Spieltagen in der Startelf.

John Verhoek – Mit der Empfehlung von 10 Saisontoren kam der Niederländer aus Heidenheim. Nachhaltig durchsetzen konnte er sich aber nicht, pendelte bei seinen neun Einsätzen zwischen Startelf und Bank. Auf ein Tor wartet er noch, was auch daran liegen dürfte, dass die mit zwölf Toren harmloseste Offensive der Liga immer wieder Probleme hat, sich überhaupt erst Chancen herauszuspielen.

Yanni Regäsel – Nachdem sein Vertrag mit Eintracht Frankfurt Mitte März aufgelöst wurde, heuerte er in Duisburg an. Bislang kommt der 22-Jährige jedoch erst auf zwei Einsätze, auf seiner Stammposition hinten rechts kommt er nicht an Andreas Wiegel vorbei.

Keine Bewertung möglich:

Young-jae Seo – Der Südkoreaner kam im Sommer ablösefrei von der zweiten Mannschaft des HSV. Bislang spielte er aber weder unter Ilia Gruev noch Torsten Lieberknecht eine Rolle, schaffte es nur vier Mal in der Liga auf die Bank. Auf seiner Position als Linksverteidiger hat er Kapitän Kevin Wolze vor sich, die Aussichten auf Einsatzzeiten sind somit bescheiden.

Jonas Brendieck – Der 19-jährige Torhüter aus der eigenen Jugend unterschrieb vor der Saison seinen ersten Profivertrag und soll langsam weiterentwickelt werden. Noch ohne Einsatz oder Bankplatz.

Migel-Max Schmeling – Ein weiteres Eigengewächs, das seinen ersten Profivertrag unterzeichnete. Er kommt aber weiterhin als Linksverteidiger und Kapitän der U19 zum Einsatz.

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