Aus der Patsche: Warum Paderborn es verdient hat

Drei Gründe für den möglichen Durchmarsch

Autor: Nico Patschinski Veröffentlicht: Samstag, 27.04.2019 | 11:20
Nico Patschinski ist Kolumnist bei Liga-Zwei.de

Nico Patschinski könnte seine Wette bald einlösen müssen. ©Imago images/future image

Hallo Fußballfreunde,

Ihr habt es vielleicht schon mitbekommen: Ich habe mir da im Sommer mit meiner Berliner Schnauze ganz schön was eingebrockt. Wenn Paderborn denn Durchmarsch schafft, habe ich nach dem Aufstieg letzten Sommer gesagt, renne ich nackt um den Hamburger Michel.

Jetzt stehen die Jungs tatsächlich auf dem Relegationsplatz und haben es sogar in der eigenen Hand, direkt aufzusteigen. Schließlich treffen sie noch auf den HSV, der nur zwei Pünktchen vor ihnen liegt. Ich weiß ja nicht, ob sich wirklich jemand meinen Anblick wünscht, aber mittlerweile glaube ich, der SCP schaffte es wirklich. Drei Gründe sprechen dafür:

1. Der Trainer
Mein alter Freund „Baumi“ macht das einfach klasse. Man merkt ihm an, dass er früher Stürmer war. Immer nach vorne ist die Devise beim SCP. Lieber 5:4 als 1:0. Früher hätte ich gesagt: Paderborn in Kiel, das guckst du dir nicht an, aber jetzt ist es ja ein echter Knaller. Paderborn trifft fast immer und es sind ständig andere Schützen am Werk. Da geht’s zu wie auf der Reeperbahn: Jeder macht mal einen rein.

„ Wie auf der Reeperbahn: Jeder macht mal einen rein. ”
über den Angriff des SCP

Ein bisschen erinnert mich Paderborn an die Pauli-Truppe, mit der ich damals aufgestiegen bin. Keiner hatte uns auf der Rechnung, aber wir haben immer Tore gemacht.  So landest du da oben. Heute hat St. Pauli gar keinen, der regelmäßig das Netz zum Wackeln bringt.

2. Der Sportchef
Sportdirektor, Sportchef oder Geschäftsführer Sport, ich hab‘ keine Ahnung wie man es in Paderborn nennt, Markus Krösche füllt den Posten jedenfalls super aus. Ich finde es immer gut, wenn der Sportdirektor – oder wie auch immer man es nennt – selbst Fußball auf hohem Niveau gespielt hat. So hast du einen ganz anderen Blick für den Spieler, kannst ihn besser einschätzen, wenn du dich mit ihm unterhältst.

„ Es ist nicht schlecht, wenn der Sportdirektor früher am Strand nicht am Meer vorbeigeschossen hat. ”
über Ex-Profis als Sportchefs

Beim rein Finanziellen ist vielleicht ein Wirtschafts-Fuchs besser. Um einen Kader zusammenzustellen, ist aber schon nicht schlecht, wenn der Sportdirektor früher am Strand nicht am Meer vorbeigeschossen hat.

So hat er zum Beispiel einen Kai Pröger ausgegraben. Er schaut da hin, wo nicht viele hingucken, auch wenn es mal die Regionalliga ist. Dabei finde ich, der Unterschied von Regionalliga zu 2. Bundesliga ist für den einzelnen Spieler nicht so groß. Von zweiter zu erster Liga ist der Sprung größer.

3. Die Fans
Der Anhang in Paderborn hat natürlich immer an seine Truppe geglaubt, aber wirklich erwartet habe wohl auch in Ostwestfalen die wenigsten diese Saison. Dementsprechend positiv sind die Fans, für sie ist es jetzt schon ein tolles Jahr gewesen. Egal, ob jetzt zwei Niederlagen kommen, sie stehen weiter hinter ihrem Team.

Beim HSV sieht das schon anders aus. Verlieren die gegen Union, kann man davon ausgehen, dass in Hamburg am Montag die ersten Fan-Aktionen nach dem Motto „Es ist Fünf-vor-Zwölf“ starten. Vermasselt der HSV sogar den Wiederaufstieg, jagen die Fans die Spieler aus der Stadt. Beim SCP wissen sie dagegen, dass ihnen Fehler immer verziehen werden.

„ Jetzt, wo beide etwas zu verlieren haben, könnte das Denken anfangen. ”
über Paderborn & Heidenheim

Trotz aller Lobhudelei wird es aber ein schweres Stück Arbeit für „Baumis“ Truppe. Jetzt muss erstmal Heidenheim geschlagen werden. Da erwarte ich ja ein 8:8. Nein, im Ernst: Das kann ein Leckerbissen werden, den der FCH spielt auch frei auf, hätte sich die Pokal-Sensation ja auch verdient gehabt. Das schlimmste, was am Sonntag passieren kann, ist, dass beide sich bewusst werden, wo sie stehen. Jetzt, wo beide etwas zu verlieren haben, könnte das Denken anfangen. Wer den Kopf am besten ausschaltet, gewinnt.

Zwei Wochen später kommt dann das ultimative Endspiel gegen den HSV um Platz zwei. Für die Hamburger gilt dann „Bloß nicht verlieren“, genau wie jetzt schon gegen Union. Da fängt die große Flatter an.

Anders als bei mir: Angst, dass Paderborn aufsteigt, habe ich nicht. Eine Wette ist eine Wette, die wird auch eingelöst!

Was sagt Ihr? Muss ich eine Runde um den Michel drehen? Diskutiert auf der Liga-Zwei.de-Facebook-Seite mit.

Bis demnächst,

Euer Patsche

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